Presse-Stimme // Mehr Sicherheit durch Datenschutz

Datensicherheit ist für die meisten Nutzer ein zentraler Aspekt der Digitalisierung. Groß ist die Angst davor, dass sensible persönliche Daten in falsche Hände geraten und missbraucht werden. Da ist es gut, dass IT-Sicherheit in Darmstadt bereits vor dem Bitkom-Wettbewerb Digitale Stadt eine tragende Rolle gespielt hat. Großen Anteil daran hat das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT).

„Für eine Stadt wie Darmstadt, in der viele Menschen im IT-Bereich tätig sind, ist Sicherheit zentral“, sagt Institutsleiter Professor Dr. Michael Waidner. Denn je mehr Sicherheit es in der IT gebe, desto mehr Firmen siedelten sich insgesamt an. „Das führt zu mehr Wachstum und neuen Technologien durch Firmengründungen, was auch den Darmstädter Bürgern zugutekommt“, ergänzt er.

Die Volksverschlüsselung, eine Entwicklung des Fraunhofer-Instituts, ermöglicht beispielsweise sichere E-Mail-Kommunikation. Durch eine Software können Nutzer ihre Computer verschlüsselungsfähig machen und sich so vor unliebsamem Datendiebstahl schützen.

Das Fraunhofer SIT will aber nicht nur die Daten im IT-Bereich sicherer machen, sondern auch die Sicherheit der Darmstädter im Alltag verbessern. Eine Idee ist die Entwicklung einer App, die das Absetzen eines Notrufs erleichtert. Die App solle dazu dienen, die Hemmschwelle zu reduzieren, die manche Menschen beim Wählen des Notrufs hätten, erklärt Dr. Michael Kreutzer vom Fraunhofer SIT. „Vorstellbar wäre die Meldung eines Brandes oder einer hilfsbedürftigen Person über die App. Wenn mehrere Menschen am gleichen Ort etwas melden, wissen die Rettungskräfte besser über die Dringlichkeit Bescheid und die Melder bleiben dank der App anonym“, ergänzt er.

Das kann der gewöhnliche Notruf über die Nummer 112 zwar auch leisten, es gehe aber darum, solche Situationen „schneller und mit weniger Aufwand“ lösen zu können, betont Institutsleiter Waidner.

Außerdem soll Datenschutz dazu beitragen, die Anonymität in der Stadt zu bekämpfen. Was zunächst paradox klingt, ist laut Michael Kreutzer durch die geplante Datenplattform möglich. Hier könnten sich Menschen mit gleichen Interessen anonym finden und bei Interesse auch abseits der digitalen Welt Kontakt aufnehmen. Denkbar sei beispielsweise eine Nachbarschafts-Tauschbörse für nicht benötigte Gegenstände.

Die Vision der Stadt Darmstadt zum Wettbwerb Digitale Stadt sieht weiterhin vor, öffentliche Plätze durch datenschutzfreundliche Kameraüberwachung zu sichern. Das heißt, dass die Aufzeichnungen anonymisiert sind, Menschen also nicht als solche, sondern als Punkte dargestellt werden. Das soll dazu dienen, kritische Situationen früher zu erkennen und auf diese reagieren zu können. „Die Kameras registrieren plötzliche schnelle Bewegungen oder größere Menschenansammlungen“, erklärt Waidner die Funktionsweise der Geräte. Auch kleine Sensoren in der Innenstadt sollen die Sicherheit der Darmstädter erhöhen: Durch die Überwachung der Luft können beispielsweise Brände frühzeitig erkannt werden.

„Der Wettbewerb der Bitkom ist ein zusätzlicher großer Anreiz“, betont Waidner mit Blick auf die schnelle Umsetzung dieser Pläne. Der IT-Spezialist, der auch Professor an der TU Darmstadt ist, wird die Stadt Darmstadt in seiner neuen Position als „Chief Digital Officer“ auch künftig bei der Umsetzung der Digitalisierung unterstützen. Wichtig ist ihm dabei ein Konzept, das die Bürger einbezieht und auch kritische Stimmen ernst nimmt: „Die Digitalstadt wird nur dann zum Erfolg, wenn auch Kritiker gehört werden. Das bewahrt uns vor blinder Technikbegeisterung.“ Daher sollen einmal im Jahr alle entwickelten Systeme im Darmstadtium präsentiert und von den Bürgern auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden.

In dem hohen Niveau der IT-Sicherheit in Darmstadt sieht Michael Waidner einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Mitbewerbern im Wettbewerb. „Das ist ein Glanzpunkt, den haben andere nicht.“

Volksverschlüsselung aus Darmstadt

Die Volksverschlüsselung ist eine Software, die sichere Kommunikation per E-Mail ermöglicht. Sie wurde am Fraunhofer SIT entwickelt. Die Deutsche Telekom betreibt die zugehörige Infrastruktur.

Ziel der Volksverschlüsselung ist der bessere Schutz elektronischer Kommunikation von Privatpersonen. So können sensible Daten, wie medizinische oder finanzielle Informationen auf einem geschützten Weg verschickt werden.

Die Software steht kostenlos auf www.volksverschluesselung.de zum Download bereit.

Von Prisca Jourdan

Erschienen in Darmstädter Echo, 24.05.2017

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