Viele weitere Visionen zur Digitalen Verkehrssteuerung können in Darmstadt schnell Wirklichkeit werden. Die Open-Data-Plattform der Verkehrsdaten bietet die ideale Grundlage. Foto: La Mina)

Bundesweit einzigartig: Verkehrssteuerung in Echtzeit speist Open-Data-Plattform

Der Straßenverkehr wird in Darmstadt digital und in Echtzeit gesteuert – abhängig vom Verkehrsaufkommen. Alle 182 Signalanlagen sind über ein Lichtwellennetz mit einer Schnittstelle verbunden. 200 Kameras übermitteln mittels anonymisierter Bilder die Verkehrsdichte und lösen die optimierten Schaltungen automatisch aus. Einer Wissenschaftsstadt angemessen stehen die Verkehrsdaten auf dieser Open-Data-Plattform für Bürger, Privatwirtschaft und Forscher kostenfrei bereit. Die Technik bietet beste Voraussetzungen für die Entwicklung vieler Zukunftsanwendungen in der Verkehrssteuerung und ist ein weiteres Merkmal für das hervorragende Ökosystem für Digitalisierungsprojekte am Standort Darmstadt. Deutschlands erste Open-Data-Plattform für Verkehrsdaten wurde deshalb im Jahr 2016 in Berlin mit dem „Digital-Leader-Award“ ausgezeichnet.

Die Darmstädter Verkehrsplattform „UI! Traffic“ wurde in Zusammenarbeit mit dem ebenfalls in Darmstadt vertretenen Urban Software Institute entwickelt und zeigt die aktuelle Verkehrslage in Echtzeit an. Schon heute kann vor oder während der Fahrt der zeiteffizienteste Weg gewählt oder die Fahrt zeitlich verschoben werden. Parallel steuert der Verkehrsrechner durch Videodetektion an ausgewählten Stellen die Grünzeitvergabe je Verkehrsaufkommen, optimiert Zwischenzeiten und erkennt, ob Fußgänger die Kreuzung queren wollen. Versatzzeitoptimiert werden Ampeln grün geschaltet. Per GPS-Steuerung melden sich Busse und Bahnen an Ampeln an und erhalten Vorfahrt.

Und doch sprechen kritische Stimmen auch in Darmstadt von „chronischen roten Wellen“ und Staus in der Stadt. Wie passt das zusammen? Es gehe um die Minimierung der Verkehrsbelastung bei gleichzeitig stetig weiter steigender Verkehrsmenge, entgegnet Ralf Tank, Ingenieur im Straßenverkehrs- und Tiefbauamt. In 14 Jahren habe das Verkehrsaufkommen in der Stadt um über 30 Prozent zugenommen, bei gleichbleibendem Straßennetz, sagt Tank. Seinen Arbeitsplatz ziert auch der „Digital Leader Preis“. Tank hat die Implementierung des Verkehrsmanagementsystems in Darmstadt maßgeblich begleitet. Noch Ende des Jahres 2017 werde in Darmstadt ein neuer Verkehrsrechner erwartet, mit dem Tank weitere Verbesserungen verbindet.

Die über die städtischen Lichtsignalanlagen erhobenen Daten können in Echtzeit abgerufen und genutzt werden. Grundlage für den Dienst ist eine Datenplattform, die als Schnittstelle Informationen des städtischen Betriebsführungsrechners in sekundenmäßigen Intervallen im CSV-Format aufbereitet und als offene Daten bereitstellt. Diese werden über einen Datenserver im Straßenverkehrsamt zur Datenplattform URBANPULSE geleitet, wo die Daten in Kombination mit Microsoft Azure weiter verarbeitet und veredelt werden. Beteiligt an der Erforschung der Datenplattform war auch die Technische Universität Darmstadt.

Oberbürgermeister Jochen Partsch nennt die Plattform ein gutes Beispiel für „Green Smart Darmstadt“. Aus der Idee, bisher ungenutzte Ampeldaten zu öffnen, können sich als Domino-Effekt immer weitere Nutzungen entwickeln, die Beiträge bis hin zur verbesserten Luftreinhaltung und zum Klimaschutz liefern.

Preisverleihung beim Digital Leader Award. Darmstadt wird für seine Open-Data-Plattform geehrt, die Verkehrsdaten in Echtzeit bereit stellt. Ralf Tank, vom Straßenverkehrs- und Tiefbauamt nimmt die Auszeichnung entgegen (ganz rechts im Bild). (Foto: Ralf Tank)

Ampeln für Fußgänger, Autoverkehr und öffentliche Verkehrsmittel werden vom Darmstädter Verkehrsrecher optimiert geschaltet. Hier eine Ansicht der Kreuzung Rheinstraße, Ecke Berliner Allee. (Foto: Ralf Tank)

Kamerasysteme und Bodendetektoren melden das Verkehrsaufkommen minutiös via Lichtwellenleitersystem an die Datenbank des Verkehrsrechners. Ziel ist die optimierte Ampelschaltung für eine möglichst geringe Verkehrsbelastung in der Stadt.  (Foto: Ralf Tank)

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